Leseprobe

 

DIANA 1

 

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20.  Gasmaskenerfahrung

 

In ihrem Zimmer ließ sie sich erschöpft mit Mantel und Stiefeln aufs Bett fallen. Sie spürte erst jetzt richtig wie viel sie getrunken hatte, aber anscheinend noch nicht genug, denn nachdem sie die Stiefel und den Mantel ausgezogen hatte ging sie nach unten, machte sich einen starken Kaffee den sie mit einem Sherry in Harms' Zimmer zu sich nahm. Magisch zog sie das Videoregal an. Sie besah sich die Einbände in der Hoffnung etwas zu finden das sie jetzt anmachte. Lisas Rubber Seduction. Bilder mit zwei Frauen im Bett, eine Frau und ein Mann in Ganzanzügen, er mit einer Gasmaske, in einem kleinen Bassin, sowie eine andere am Beckenrand stehend und ein anderes Bild mit einer Frau und einem Mann in Ganzanzügen auf einem Bett. Das ist es vielleicht und schob die Kassette in den Rekorder.

Am Anfang etwas langweilig ging es dann aber zur Sache. Die Domina überraschte ihre Putzfrau als sie in deren Gummisachen wühlte und zwang sie auf das Bett, wo sie sich dann über diese hermachte. Dianas Schritt wurde feucht, als sie die beiden miteinander küssen sah. Es wunderte sie, denn obwohl sie sich bisher nicht zu Frauen hingezogen fühlte, erregt sie das was sie sieht. Die nächste Szene spielte in dem Bassin. Die Domina stand am Beckenrand und befahl, die nun in Sklavinnenrolle befindliche Frau zu dem Mann in das Becken. Sie trug einen, bis auf das Gesicht voll geschlossenen, Gummianzug und stieg zu dem Mann im Becken, von dem nur undeutlich die Augen unter den Gläsern der Gasmaske zu sehen waren.

Diana versuchte sich in die Lage der Beiden zu versetzen und unbewusst führte sie ihre Hand in ihrem Schritt, als die Beiden sich mit eindeutigen Bewegungen im Becken betätigten. Es machte sie an, wie die Frau ihm Wasser über die Maske rinnen ließ und sie in die Hände nahm um mit ihr zu schmusen.

Sie drückte auf Stop und ging Schlafzimmer. Sie hatte sich richtig erinnert. Harms hatte eine ähnliche Maske in seinem Schrank. Etwas unsicher betrachtete sie deren Innenleben und zog sie dann vorsichtig über ihr Gesicht. Wieder eine neue Empfindung. Anders als bei den Masken die sie bisher übergezogen hatte überkam sie dieses Mal nicht das Gefühl der Enge.

Luft holen konnte sie gut, sehen konnte sie alles, aber das, was sie begeisterte, war das Gefühl alles plötzlich wie durch einen Fernseher zu sehen - die Ränder der Gläser, die mit Abstand vor ihren Augen das Sehfeld begrenzten. Die Szenerie bot sich ihr wie mit den Augen eines außenstehenden Betrachters. Sie nahm sie wieder ab und untersuchte die Riemen, die sie am Kopf halten sollten. Nachdem ihr der Mechanismus klar wurde,  warf sie ihre Haare nach hinten und zog die Maske mit einem Ruck über den Kopf. Zwei Bänder musste sie noch nachstellen und dann hatte sie das Gefühl, dass sie fest saß. Aber damit noch nicht genug, sie wollte es haben wie in dem Video und suchte noch eine gesichtfreie Haube, die sie über die Riemen und ihre Haare ziehen konnte und wird fündig. Nachdem der Reißverschluss hinten geschlossen war, wurde sie wieder vollständig von dem Gummi umgeben, nur die Hände waren noch frei. Das Rauschen ihres Atems und das Flappen der Ventile der Maske reizten sie noch mehr. Sie spulte das Video an den Anfang der Bassin-Szene zurück, lehnte sich zurück, ergriff den mitgebrachten Dildo und startete das Programm

Je mehr die zwei auf der Mattscheibe stöhnten, desto mehr stöhnte sie selbst. Den Dildo hinein und hinausschiebend versetzte sie sich gleichzeitig in die Rolle der Frau und des Mannes unter seinem Gummihelm, bis sie unter einem gewaltigen Orgasmus in sich zusammensackte. Am Schluss hatte sie durch das heftige Atmen fast keine Luft mehr bekommen, aber es schien, als ob gerade das ihre Lust noch gesteigert hätte. Sie schloss die Augen um sich zu erholen und phantasierte vor sich hin.

 

Stunden später schrak sie hoch. Der Fernseher brachte nur noch Geflimmer, sie selbst schwitzte unter der Maske und in der mittlerweile glitschigen Gummihaut. Spontan wollte sie die Gasmaske vom Kopf entfernen, aber der Reißverschluss der Haube klemmte. Sie ging ins Bad und besah sich mit Harms' Rasierspiegel die Bescherung von hinten. Ein Haarbüschel hatte sich in den Reißverschluss verheddert. Sie versuchte es weiter, aber es klappte nicht, und der Schweiß rann ihr in Strömen.

Ganz ruhig, sagte sie zu sich selbst und setzte sich auf den Rand der Badewanne. Die Haube wollte sie auf keinen Fall zerstören. Es kam ihr schon ulkig vor. Da saß sie nun von Kopf bis Fuß in Gummi gehüllt, statt ihres Gesichtes blickten ihr nur zwei, hinter Glas versteckte, Augen entgegen und es gelang ihr nicht aus der Hülle zu kommen. Sie zwang sich selbst zu ruhigem Atmen, um Klarheit in ihren Kopf zu bekommen und nicht vom Schnarren der Filter und Ventile abgelenkt zu werden. Sie nahm eine Schere und versuchte die Haube ein wenig anzuheben, was ihr auch gelang. Vorsichtig schnitt sie Haarsträhne ab und fummelte die nach außen stehen Haare aus dem Verschluss, bis er endlich zu bewegen war.

Ihre Haare waren völlig durchnässt als sie die Maske abzog und auch in dieser schwamm der Schweiß im Kinnstück. Sie legte sie in die Badewanne und ging nach oben. Der Schlaf hatte zwar ihren Rausch etwas vertrieben, aber um so größer war jetzt der Drang etwas zu trinken. In der Dusche streifte sie den Rock und die Bluse ab und drehte kühles Wasser auf. Einigermaßen erfrischt rauchte sie auf der Couch eine Zigarette, die erste seit Stunden - zwangsläufig.

Jeden Tag etwas neues, jeden Tag eine neue Erfahrung. Da saß sie nun in ihrem weichen Bademantel und konnte es nicht fassen, wie sie noch vor einer halben Stunde unten in Harms' Wohnung gesessen hatte.

Sie löschte die Lichter und sank in einen traumlosen Schlaf.

 

21.  Harms’ Rückkehr

 

Diana wachte mit einem dicken Kopf auf. Im ersten Augenblick fragte sie sich, wo sie eigentlich sei und langsam dämmerte ihr alles. Dem Stand der Sonne nach musste es schon später Vormittag sein. Ein Glück, dass sie sich gestern schon krank gemeldet hatte. Als ob sie es geträumt hätte, kamen ihr Ereignisfetzen des gestrigen Tages in den Sinn. Gestern Nacht noch die Gasmaske überzuziehen - das konnte doch nur an dem vielen Alkohol liegen. Im Bad lagen die Gummisachen herum, teilweise noch nass von ihrem Schweiß. Ein zerknittertes Gesicht sah ihr im Spiegel entgegen. Ein Glas Wasser mit einer sich auflösenden Tablette in der Hand ging sie nach unten und machte Tee. Müde schlürfte sie die heiße Flüssigkeit und spürte wie die Lebensgeister zurückkehrten. Eigentlich war es ein herrlicher Morgen. Die Sonne schien durch die Bäume in die Küche und der Wind machte aus dem Schatten der Blätter ein wechselndes Muster über den Boden und die Möbel - Urlaubsstimmung.

Gedankenverloren saß sie noch eine halbe Stunde da, bis sie sich aufraffen konnte zu duschen. Danach ging es ihr besser. Sie zog sich an und ging Brötchen holen. Um elf war sie wieder hergestellt. Das große Aufräumen war heute angesagt. Harms wollte morgen wieder kommen und sie war sich nicht sicher ob er nicht schon heute Abend auftauchen würde.

Hoffentlich brachte sie alles wieder so hin, dass er nichts bemerkte. Das reinigen und Pudern der Sachen dauerte länger als sie gedacht hatte. Sie bedauerte, dass man es nicht einfach in die Waschmaschine stopfen konnte. Gegen drei war sie fertig, sogar das Paket stand wieder verpackt in der Küche. Beinahe hätte sie die Gasmaske in der Badewanne noch übersehen. Die Magazine, die anfangs in der Küche gelesen hatte, nahm sie mit nach oben und blätterte in ihnen, bis sie vor Müdigkeit einschlief.

Sie schrak durch ein Geräusch von unten auf. Jesus Maria, das wird er doch nicht schon sein, erhob sich und ging zum Fenster. Natürlich, sein Wagen stand draußen und sie hatte die Magazine noch oben. Na, danach wird er wahrscheinlich nicht gerade als erstes sehen, beruhigte sie sich. Es begann schon dunkel zu werden. Wie konnte sie auch nur solange schlafen. Sie eilte ins Bad richtete die Haare etwas und ging nach unten.

„Hallo, ich habe schon geglaubt, dass niemand Zuhause wäre,“ rief er ihr entgegen. „Gab es irgendwelche Probleme? Hat jemand angerufen?“

„Nein, nein, alles klar.“

„Ach ich hab ganz vergessen wegen des Pakets anzurufen. Haben sie nachgesehen was drin war´?“ fragte er beiläufig, als er eine Tasche in seine Zimmer trug.

 Diana meinte rot zu werden.

„Ja...“, sie stammelte sie fast, “verschiedene Sachen in schwarze Tüten verpackt, Kleidung und Bettzeug,“ rief sie ihm zu.

Würde er jetzt was sagen oder irgend etwas tun? Sie hörte ihn in seinem Wohnzimmer herumhantieren. Wieder in der Küche, machte er sich daran das Paket zu öffnen.

„Dann wollen wir mal sehen ob sie alles geschickt haben.“

Diana war platt. Als sei es das Natürlichste auf der Welt, wühlte er die Tüten heraus und legte sie auf den Tisch mit dem Bestellschein in der Hand alles kontrollierend. Zufrieden räumte er die Sachen wieder weg, ließ jedoch die Prospekte offen auf dem Tisch liegen. Will der mich verarschen, oder ist der so harmlos wie er tut, das darf doch nicht wahr sein. Diana überkam wieder die unerklärliche Wut.

„Entschuldigen sie, aber ich muss noch weg, eine Freundin hat mich vorhin angerufen,“ sagte es und verschwand.

 

Sie ging zu dem Café in dem sie gestern schon war und bestellte sich einen Kaffee mit Cognac. Sie verstand gar nichts mehr. Was sollte sie jetzt tun? Sprach sie ihn direkt darauf an, fragte er vielleicht, was sie sein Privatleben anginge und zugeben, dass sie auch die Tüten geöffnet hatte und den Inhalt kannte, wollte sie auch nicht und die Magazine, die sie bisher in der Küche gefunden hatte - es wäre genau so. Falls er nicht vorgehabt hätte sie in seine privaten Leidenschaften einzuweihen, könnte er sie genauso gut aus dem Haus werfen. Und das wollte sie auf keinen Fall.

Vielleicht macht ihm Katz und Maus spielen auch Spaß? Andererseits hatte sie ihm, außer dem Lackmantel, mit dem sie damals bei dem ersten Treffen erschienen war, auch bisher noch keinen Anhaltspunkt gegeben, dass bei ihr überhaupt etwas in seiner Richtung zu holen  sei. Und je länger sie darüber nachdachte, desto wahrscheinlicher erschien es ihr, falls er überhaupt mit ihr anbandeln wollte, dass sie es war, die sich zurückhaltend verhielt. Erschien er ihr in seiner Gesamtheit doch eher  schüchtern, denn wie ein Draufgänger, so war doch nun davon auszugehen, dass sie es war, die nun endlich Reaktionen zeigen musste. Er hatte ja schon genügend gezeigt. Und wollte er sie nicht auch mit den Gummiprospekten, die er auf dem Küchentisch hatte liegen lassen, eine Reaktion ihrerseits provozieren?

Außerdem machte ihr die Tatsache zu schaffen, dass sie, zumindest nach diesem Wochenende, schon sehr viel über ihn wusste, ja sich geradezu in seiner Intimsphäre geaalt hatte, während sie für ihn ein versiegeltes Buch sein musste. Eine vertrackte Situation.

Nach dem zweiten Kaffee wunderte sie sich, dass sie schon wieder so viel trinken konnte, zahlte und ging nach Hause.

 

Im ganzen unteren Stock brannte Licht. Ob er sich in einen Gummianzug gehüllt hatte und scharfe Videos betrachtete. Sie schloss leise auf und ging, auf Geräusche achtend, an seiner Tür vorbei, aber außer leiser Musik war nichts zu hören.

Sie entwarf einen Schlachtplan. Nachdem sie eingesehen hatte, dass es an ihr war ihn aus der Reserve zu locken, sollte er etwas geboten bekommen, aber dezent, nicht zu aufdringlich und dabei würde ihre neue Garderobe gute Dienste leisten. Sie notierte sich was sie noch alles brauchen würde und machte die Post für die Katalogbestellungen fertig.

 

 

22.  Sandra

 

Der Rest der Woche verging wie im Flug. Diana hatte alle Geschäfte in denen sie am Montag gewesen war noch einmal aufgesucht und sich mit einigen weiteren Sachen eingedeckt. Sogar im Sex-Shop hatte sie sich noch etwas geholt. Mit Harms lief jedoch nichts, außer zwei mal beim Frühstück, traf sie ihn im Haus nicht an. Sie hörte ihn erst spät abends nach Hause kommen, meist lag sie dann aber schon im Bett. Er entschuldigte sich sogar bei ihr, dass sie sich so selten sahen und begründete es mit Arbeitsüberlastung durch das verlängerte Wochenende, wobei ihr auffiel, dass sie nicht einmal wusste was er arbeitete. Für das Wochenende hatte sich eine alte Freundin aus früheren Tagen eingeladen, der sie kaum absagen konnte und somit war keine Gelegenheit geplantes umzusetzen.

Montagabend hatte sie sich etwas spezielles angezogen. Einen eng anliegenden Catsuit aus dünnem glänzendem nylonähnlichem, aber dehnbarem Material, hoch geschlossen, vorne mit Reißverschluss, so dass sie Dekolletee zeigen konnte, wenn sie wollte, kurze bis über die Knöchel reichende Schnürstiefel und eine Lederjacke die bis über ihren Po reichte und mit dem eng geschlossenen Gürtel eine sehr schmale Taille machte. Kaum zu sehen war jedoch das Korsett, das sich unter dem Catsuit verbarg. Die Schnürstiefel und den Catsuit hatte sie heute erworben. Sie wollte sich in diesem Aufzug in die Küche setzen und warten. Sollte er heute früher nach Hause kommen, würde sie so tun als sei sie auch gerade eingetroffen. Obwohl ihr beim letzten Blick in den Spiegel der Gedanke an eine der Damen vom käuflichen Gewerbe kam, fühlte sie sich doch sehr wohl. Lediglich an die Enge der Korsage beim Sitzen musste sie sich noch gewöhnen.

Voller Aufregung wartete sie. Um neun hatte sie dann genug.  Als Alternative hatte sie von vornherein an die Clique gedacht, die sich in der Stadt wieder treffen würde.

 

Mit lautem Hallo wurde sie von den bereits Anwesenden begrüßt, als würden sie sich schon länger kennen. Nur heute würde sie sich mit dem Alkohol zurückhalten, und auch früher nach Hause gehen, in der Hoffnung Harms doch noch über den Weg zu laufen. Klaus belegte sie gleich mit Beschlag.

„Du ziehst wohl gern so provozierende Sachen an?“

„Wenn ich ausgehe immer, schließlich muss ich ja tagsüber wie eine graue Maus im Büro herumlaufen,“ log sie. Doch Klaus befriedigte die Antwort und ließ es mit einem Kompliment dabei bewenden, was ihr sehr recht war, denn nett wie er war, konnte sie sich doch nicht vorstellen intim mit ihm zu werden. Sie stellte sich seine Reaktion vor, wenn sie ihm sagen würde, was sie mittlerweile gerne hatte und sicher wäre da pervers oder ähnliches gefallen.

Nach einigen Weinschorle tingelten sie in ein anderes Lokal, wo sie Sandra treffen wollten, die Diana schon vermisst hatte. Sie hatten gerade ihre Getränke serviert bekommen, als sich die Blicke der Männer schlagartig zur Eingangstüre wandten.

„Wow!“ Entfuhr es einem, als er Sandra sah.

„Ihr beiden seid wohl aus dem gleichen Nest gefallen,“ sagte Klaus als sie bei Ihnen stand.

„Gefällt es euch? Das ist der letzte Schrei aus London, nur Schade, dass mir Diana letzte Woche schon zuvorgekommen ist.“

Auch Diana war platt. Sandra hatte sich komplett in Gummi gehüllt. Strümpfe, extrem kurzer Minirock und eine sehr schicke Jacke, alles aus Gummi. Die Jacke war zwar einfach, aber sehr effektvoll geschnitten. Hochgeschlossen, mit verdecktem Reißverschluss vorne, eng auf Taille gearbeitet und zwei Zierreißverschlüsse vorne zu den Schenkeln runter. Sandra hatte mehr Mut bewiesen wie sie, aber sie war unbefangener, weil sie es einfach als modischen Gag ansah.

Sie setzte sich neben Diana.

„Und wie gefällt es dir?“

„Toll, vor allem die Jacke, hast du die etwa auch in dem Laden gekauft?“

„Ja, sie haben gerade vor zwei Tagen eine neue Kollektion bekommen, ich sag dir das musst du unbedingt auch sehen, phantastische Sachen, aber leider nicht gerade billig.“

„Das war die Jacke sicher auch nicht.“

„Eine alte Frau muss lang dafür stricken.“

„Und was trägst du darunter?“

„Zu wenig, ich habe es erst vorhin gemerkt als ich hierher gelaufen bin. Gestern als ich es probegetragen habe schwitzte ich, dass mir der Schweiß davonlief und da habe ich gedacht, es wärmt, aber draußen ist es fast so als ob ich nackt durch die Straßen gegangen wäre, hier drin geht's jetzt.“

„Findest du es nicht unangenehm, so direkt auf der Haut,“ wollte Diana wissen.

„Nur am Anfang, wenn ich es anziehe und es noch so kalt ist, dann nicht mehr, im Gegenteil,“ sie wandte sich zu Dianas Ohr, „es macht mich an.“

„Wie?“ fragte Diana harmlos,

„Na hör mal, es macht mich scharf, das Gefühl auf der Haut ist echt geil, vor allem wenn das Gummi feucht wird, vorausgesetzt ich muss dann nicht hinaus in die Kälte wie vorhin.“

Sie führte eine fröstelnde Bewegung aus.

„Und du, du hast ja letzte Woche auch Rock und Oberteil angehabt, was hast denn du darunter getragen?“

„Das gleiche wie du.“

Sandra lachte und nahm sie in den Arm.

„Und wahrscheinlich hat es dir auch gefallen, oder?“

„Das gleiche wie du,“ wiederholte Diana lachend.

„Du bist mir noch eine Nudel,“ Sandra rückte noch näher zu ihr und drückte sie fest.

„Ich glaube wir sollten mal alleine fortgehen,“ schlug sie vor, „die Bande hier wird mir allmählich zu langweilig.“

„Aber nicht gleich, sonst denken die noch sonst was.“

„Hast ja recht, aber das sollten wir trotzdem im Auge behalten.“

„He, ihr Beiden, wir sind auch noch da“, beschwerte sich einer der Herren.

Sie wandten sich wieder den anderen zu und tranken und widmeten sich den allgemeineren Themen.

Es ging auf halb zwölf zu, Diana wollte heim, vielleicht konnte sie Harms jetzt noch abpassen.

„Nehmt es mir nicht übel, aber ich muss fort, ich hab für morgen noch was zu tun.“

„Wo wohnst du eigentlich?“ Fragte Sandra.

Diana sagte es ihr.

„Hast du einen Wagen dabei?“

„Nein ich nehme mir ein Taxi.“

„Du dann könnten wir doch eines zusammen nehmen, ich muss in die gleiche Richtung.“

„Von mir aus, gerne.“

Von den Anderen setzte die übliche Gegenrede ein, wenn jemand die Runde zu früh verlassen wollte. ‘Noch ein Glas’, ‘ich kann euch auch mitnehmen’, ‘jetzt bleibt doch noch, es ist doch so lustig’, etc., aber sie blieben stur. Als sie den Tisch verließen hörten sie gerade noch wie einer etwas von lesbisch und Gummi sagte und dann Gelächter.

„Die können wir auch abhaken“, sagte Sandra.

„Vielleicht besser so.“

„Kommst du noch auf einen Kaffee mit rein?“ Bot ihr Diana an als sie vor dem Haus hielten, Harms war nämlich noch nicht da und so hätte sie wenigstens Gesellschaft. Sandra nahm die Einladung an. Wieder so eine verrückte Situation, dachte Diana als sie beide mit ihren High-Heels zu der Haustüre klackerten.

Wo soll das noch mit mir enden.

„Wohnst du allein hier?“ Wollte Sandra wissen.

Diana erzählte ihr wie es sich verhielt während sie die Espressomaschine bediente.

„Und dein Mann - keinen Kontakt mehr.“

„Der kann mir gestohlen bleiben, ich bin froh, wenn ich nichts mehr von ihm höre. - Zucker und Milch?“

„Zucker, bitte.“

Diana umriss die Gründe warum sie sich getrennt hatten.

„Und dieser Harms, was ist das für einer?“

„Wenn du noch ein Weilchen bleibst kannst du ihn ja kennen lernen.“

„Warum nicht - hast du noch was anderes zum trinken?“

Bei einer Flasche Wein erfuhr Diana auch näheres von Sandra. Wenn Sandra wüsste, was sich, keine zehn Meter von ihnen, in den Schränken von Harms alles verbarg. Sie versuchte sich Sandra in einem Gummianzug vorzustellen und stellte fest, dass sie es problemlos konnte.

Sie lebte zwar mit einem Typ zusammen, aber anscheinend legte sie keinen größeren Wert darauf, denn weder er noch sie waren monogam, es hatte sich eben so ergeben. Sie ging fürs Leben gerne aus und amüsierte sich. Eigentlich genau das Gegenteil von ihr. Was Diana gefiel war ihre Offenheit, so perplex sie auch vorhin in dem Lokal gewesen war, als Sandra sagte sie mache das Gummi scharf. Diana wollte gerade noch eine Flasche aufmachen, als die Haustür aufging.

„Das ist er, bin gespannt was er für Augen macht“, flüsterte sie ihr zu.

„Darf ich vorstellen - Herr Harms, Sandra...?“

„Franke,“ stellte sich Sandra selbst vor.

Harms stand wie starr im Türrahmen und Diana genoss die Situation, es kam ihr vor wie eine kleine Rache für sein Verhalten. Doch er fing sich erstaunlich schnell wieder.

„Angenehm,“ erwiderte er steif und reichte ihr die Hand.

„Würde es die Damen stören, wenn ich einen Schluck mittrinken würde?“ Fragte er ironisch.

Lustig, dachte Diana, da sitzt er nun der Gummi, Leder und was weiß ich noch Freak in seinem gut geschnittenen Geschäftsanzug und zwei Frauen am Tisch, die eine ganz in Gummi und die andere nicht viel harmloser. Das schönste war jedoch, dass sie allein wusste was es mit dieser Konstellation auf sich hatte.