Leseprobe Reporter

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So, da wären wir, jetzt nur noch ein Parkplatz. Ah, da fährt gerade einer weg. Glück muss man haben. Die Gegend ist eigentlich stinknormal, was hier so ein Geschäft zu suchen hat? Nummer 133, 135. Hm? Nur ein normales Stahltor? Die Firma stimmt aber.

Hui, das geht aber gleich zur Sache. Anzüge in jeder Variation. Hier die diversen Oberteile und Hosen. Schon ein Unterschied die Sachen nicht nur im Heft zu sehen. Ach du lieber Himmel, da oben stehen die ganzen Masken. Wie ein Lagerschuppen, nur etwas edler. Die Magazine kenne ich schon - alle? Da sind doch glatt noch ein paar die mir fehlen. Nachher. Ob das der Chef ist? Allerhand was sich hinter einer solchen Fassade verbergen kann. Und da geht es wahrscheinlich ins Heiligtum. Was das Herz begehrt - in allen Variationen. Na das ist ein Unterschied zu dem vorigen Laden.

War das die Tür? Neugierig schleiche ich durch die Regale. Der Typ beachtet mich überhaupt nicht, scheint wohl so üblich zu sein. Stöckel von Damenschuhen klapperten über den betonierten Eingang. Ich war wie elektrisiert. Und erst recht als ich sie sah. In den Schuhen fast einsachtzig groß. Tolle Figur. Ich wollte mich schon kneifen, war das die Inspiration die ich heute morgen erhofft hatte? Das Kleid war nicht braun, sondern blau und einen Pferdeschwanz trug sie auch nicht, aber sonst stimmte alles. Der elegante Schal um den Kopf geschlungen, unter dem kleine Haarsträhnchen die Ohren umspielten, sogar der Ohrring entsprach meinen Vorstellungen.

„Entschuldigen sie bitte...“ wandte sie sich an den Mann an der Kasse. „Haben sie Ähnliches auf Lager?“ Dummerweise konnte ich nicht sehen was sie ihm zeigte.

„Selbstverständlich, in der gleichen Größe?“

„Nein alle möglichen Größen, ich bräuchte mehrere."

„Kommen Sie bitte mit.“

Es machte mich fast krank, dass ich nicht sehen konnte was dieses tolle Weib kaufte. Es konnte nur eines dieser speziellen Artikel sein, die hier zu Hunderten herum lagen. Und das war eindeutig. Sie verschwanden im Nebenraum. Ich sah zu, dass ich mich in der Nähe der Kasse aufhielt und kam mir vor wie ein Spanner. Ich wählte sie Magazine aus und legte sie auf den Tresen, zählte die Scheine ab, um nur keine Zeit zu verlieren. Mir war klar, dass ich dieser Frau folgen musste. Schlagartig fühlte ich mich in die Rolle eines Detektivs versetzt, der zu jedem Reporter gehört. Alle meine Probleme waren verschwunden, jetzt ging es nur noch darum eine gute Story zu bekommen.

Ich war enttäuscht, dass sie mit einer großen Kiste zurückkamen und ich nicht sehen konnte,  was darin war. Sie zahlte Vierhundertachtzig Mark,  per Karte. Und bedankte sich bei dem Inhaber. Ich legte mein Geld hin und folgte ihr.

„Hallo, Sie bekommen noch 10 Mark.“

„Stimmt so, danke!“ rief ich und ging meiner Inspiration hinter her. Es war mir egal was der Typ dachte. Sie hatte auf der gegenüberliegenden Seite geparkt. Ihr BMW-Cabrio hatte fast die gleiche Farbe wie das Kleid. Hektisch wendete ich in der schmalen Straße und erreichte gerade noch die Gelbphase als sie an der nächsten Ampel abbog. Ich wäre auch bei rot darüber gefahren. Immer drauf bedacht sie nicht aus den Augen zu verlieren folgte ich ihr durch die ganze Stadt, bis sie in eine Auffahrt von einem Grundstück in den ruhigeren Außenbezirken fuhr. Ich hielt an und wartete bis sie den Wagen verschlossen und zur Haustür hinauf ging. Zehn Minuten ließ ich vergehen und schlenderte wie zufällig an dem Haus vorbei. T. Harms stand auf dem Klingelschild. Bei Tage war nichts hinter den Scheiben zu erkennen, also beschloss ich nachts wieder zu kommen, vielleicht konnte ich etwas sehen, das mich weiter brachte. Diese Frau war nicht zum ersten Mal in dem Geschäft gewesen. Dazu war sie zu zielstrebig vorgegangen, sie hatte sich auch nicht sonderlich für das was sich darin befand interessiert, so als kenne sie schon alles, oder redete ich mir das jetzt nur ein? Auf jeden Fall hatte ich mir jetzt einen Drink verdient.

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Ich bin vollkommen erregt, die Spannung bringt mich noch um, entweder ich bin morgen alleine hier oder wir gehen einer gemeinsamen Zeit entgegen, ohne das was uns dauernd getrennt hat.

Wie lege ich nur alles hin? Vielleicht den Body so, und die Handschuhe darüber. Ich hoffe es passt ihr alles, auch die Stiefel, ob sie ihr gefallen? Sagte sie nicht einmal, sie würde alles für mich tun - jetzt, heute Abend konnte sie es beweisen. Zwei Stunden noch, ob ich zuerst das Essen bereite und erst danach...?

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Tom war noch nicht Zuhause. Also war es ihr Spiel, das er spielen musste. Sie ging in sein Schlafzimmer und nahm die Kiste mit. Aus dem Schrank holte sie das vorbereitete Laken und versah es mit den eingekauften Sachen. Alles passte perfekt. Nun noch das Spray und ihre Vorstellungen waren erfüllt. Genau so sollte es sein. Sie ging nach oben und ließ das Kleid von sich fallen, die Pumps wie üblich im Zimmer verstreut, auf dem Weg zum Bad. Sorgfältig wischte sie die Tageschminke ab und zog nur den Lidstrich sauber nach. Die Haare bürstete sie gründlich und fasste sie dann mit einem Band zu einem Dutt zusammen. Ihr Gesicht wirkte strenger. Sie spielte mehrere Mimen durch und entspannte sich dann. Aus dem Schrank fischte sie einen schwarzen Lycrabody der hochglänzend war und streifte ihn sich über. Er umhüllte sie vollständig und ließ nur den Kopf und die Hände frei. Wie üblich ging sie nach unten um sich einen Tee zu bereiten. 

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Sylvie  war gerade dabei sich in ihrem Outfit zurecht zu legen, als das Telephon klingelte. Sie hörte der Stimme zu.

"Okay, aber für jede viertel Stunde die du später kommst, werde ich mir etwas besonderes einfallen lassen. "Beschwere dich also nicht." Simon wusste was das zu bedeuten hatte und obwohl er Sylvie Überraschungen genoss, legte er nicht unbedingt Wert darauf, dass sie sich darüber hinaus noch Feinheiten überlegte. Aber er hatte keine Chance gehabt. Einer der Freunde hatte heute Geburtstag und das hatte er vollkommen vergessen, so dass er doch noch wenigstens ein paar Minuten zu dem Treffen gehen wollte.

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So ein Mist, wieder etwas zu viel. Irgendwann erwischen Sie mich noch. Wo war das gleich? Ja - da vorne ist es. Von dieser Seite habe ich die meisten Fenster im Visier. Ein Glück, dass Peter mir sein Nachtglas geliehen hat. Alles noch dunkel, nein oben brennt ein Licht. Hm, kaum was zu sehen, nichts bewegt sich. Wirklich wie ein Spanner, dachte ich. Hoffentlich achtet keiner aus der Nachbarschaft darauf und ruft die Polizei. Glücklicherweise hatte ich an Zigaretten gedacht, wer weiß wie lang die Nacht wird. Ich kam mir vor wie früher, als wir von der Redaktion die idiotischen Aufträge bekamen irgendwelche Prominente auszuspähen um das Sommerloch zu füllen. Nur heute machte es mir mehr Spaß. Ich verspürte einen Reiz an dem Thema und das war mir schon lange nicht passiert. Das Radio dudelte vor sich hin, als plötzlich ein anderer Wagen auf das Grundstück fuhr. Ich drückte die Zigarette aus und setzte mein Glas an. Ein gut gebauter mittelgroßer Mann in einem vornehmen Anzug stieg die Treppe empor. Das Glas war wirklich super. Er war etwa Mitte vierzig und sah ganz gut aus. Kurzer Bart und kurze Haare. Nach ein paar Minuten wurde mir klar, dass ich auf der falschen Seite des Hauses wartete zumindest vorerst, denn nichts tat sich auf dieser. Kein Licht. Ich lehnte mich entspannt zurück. Manchmal war es gut warten zu können.

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Liebe Alexandra,

das, was heute Abend geschieht, ist sehr wichtig für mich und es entscheidet unsere Beziehung. Bitte, bitte nimm es mir nicht übel, dass ich es auf diese Weise tue. Ich weiß es ist nicht der beste Weg, aber der einzige der mir noch einfällt. Du glaubst gar nicht wie oft ich angesetzt habe es dir zu erzählen, aber jedes Mal hat mich der Mut verlassen. Denk bitte immer daran ich liebe dich über alles, aber gleichzeitig habe ich eine Neigung die mich zerfrisst, wenn ich sie nicht ausleben kann und ich will sie nur mit dir teilen.

Wenn du mich auch liebst, dann gehe bitte ins Wohnzimmer und ziehe dir die Sachen an, die ich für dich gerichtet habe. Ich erwarte dich im Schlafzimmer.
Deine Sabine
 

Wenn das nur nicht schief geht? Hoffentlich habe ich mir die Bänder nicht zu fest angezogen. Sie drücken schon jetzt zu sehr. Wenn ihr jetzt etwas passiert ist, bin ich dumm daran. Ob ich nicht noch ein bisschen hätte warten sollen? Aber dann hätte ich es mir vielleicht anders überlegt und das kann ich jetzt glücklicherweise nicht mehr.  Ob es ihr Wagen ist?

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„Oho, Madame hat sich fein gemacht“, begrüßte Tom Diana. Er küsste sie leidenschaftlich.

„Ein Glas Wein zur Einstimmung?“ Da sagte Tom nicht nein.

„Lass mich bitte erst die Sachen ablegen?“

„Kommt nicht in Frage, dein Zimmer ist reserviert.“ Sie wusste wie Tom Überraschungen dieser Art liebte und aalte sich in der Vorfreude was sie ihm schenken würde. Er saß ihr gegenüber und sie spürte wie sein Verlangen nach ihr wuchs. Sie kannte die Wirkung ihres Anzugs und bewegte sich bewusst um ihn zu reizen. Es war immer ihr Spiel alles hinauszuzögern, bis er nicht mehr an sich halten konnte. Provozierend stand sie auf.

„Eine Kleinigkeit als Vorspeise?“ und zauberte aus dem Kühlschrank einen Teller mit Häppchen, die sie vorhin gerichtet hatte. „Und während du sie verdrückst ziehe ich mich um, ich rufe, wenn ich fertig bin.“ Und ließ ihn allein. 

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Das Licht oben ging an. Ich nahm das Glas und stellte scharf. Hui, das ist ein Anblick, die Lady in schwarz. Ich war völlig aus dem Häuschen. Durch meine etwas erhöhte Position konnte ich sie bis zu ihrem Unterleib erkennen. Ihr Körper war völlig in glänzendes schwarzes Material gehüllt. Die Figur war noch besser als ich vorher gedacht hatte. Doch was jetzt, sie zog den scharfen Anzug aus und ging zum Schrank. Dort war es zu dunkel ich konnte nur schemenhaft sehen was sie tat. Es waren Bewegungen, als ob sie sich wieder anzog. Als sie wieder in das Licht trat meinte ich mein Atem müsse stocken. Sie trug wieder so einen Anzug, doch dieses Mal war auch ihr Kopf vollkommen umhüllt. Sie ging aus dem Licht, kehrte zurück mit etwas in der Hand und löschte das Licht.

In freudiger Erwartung konzentrierte ich mich auf die unteren Fenster und tatsächlich ging das Licht in den zwei ersten Fenstern an, die Gestalt eines Mannes erschien und ...?! Er zog die Vorhänge zu. Ich wartete noch zehn Minuten und fuhr missmutig heim, aber eigentlich konnte ich mich nicht beklagen - ich war auf der richtigen Fährte und dieser Erfolg war doch schon mehr als ich zu hoffen gewagt hätte.

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Ich steige ins Auto, fahre zur Tankstelle und besorge vier Biere. Während der Fahrt schrei’ ich das Lied ‘Titt’s an ass“ raus.

Zuhause fall ich auf das Sofa, trink ein Bier und fang an zu denken: ’Hey, weißt du eigentlich, auf was du dich da eingelassen hast? Sagst du dämliche Kuh einfach ‘JA’. Man bist du locker! Tja ist jetzt alles zu spät. Tiefer fallen kann man nicht mir. Jetzt bist du unten angelangt. Bei der derbsten und widerwärtigsten Sorte von Sex die es überhaupt gibt. Lässt dich einfach auf wildfremde Menschen ein. Pervers. DU bist richtig pervers, oh Mädchen!’

Ich schaue mir meine Titten im Spiegel an. Nun! Wenn etwas an mir gelungen ist, dann sind es die beiden Süßen. Kann man doch herzeigen. Ich frag mich, warum ich mir so ins Hemd mache? Aber für meine Begriffe sehen sie zu ästhetisch aus. Warum suchen die sich keine mit ‘nem Atombusen? Das passt mir nicht so richtig ins Bild. Verstehe ich nicht.

Um mich einzustimmen auf meine ersten Aktphotos, sage ich immer wieder zu mir: ‘Titten sind Füße! Titten sind Füße! Genau dasselbe! Hab ich im Prinzip doch Recht, oder? Titten sind Füße! Na also, so fängt es an! Ich glaub ich spinne!’ 

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In der Phase als sie zur Frau wurde, stellte sie fest, dass sie anders reagierte, wenn Jungs Regenbekleidung trugen. Da sie das selbst nicht für normal hielt wunderte sie sich und musste dabei feststellen, dass es ihr ähnlich ging, wenn sie jemand mit  Gummihandschuhen sah. Auch die damals üblichen glatten weißen Bademützen im Schwimmbad erregten sie, wenn sie eine überzog und das Kinnband schloss. Das Gefühl war nicht einzuordnen, dass es sexueller Natur war wurde nicht klar. Sie legte sich ein  kleines Lager solcher Utensilien an und zog sie nachts heimlich über, wohl sich dessen bewusst, dass man ihr peinliche Fragen stellen würde, wenn sie entdeckt werden würde und doch machte sie es. Es kam zu Berührungen mit  ihrem Körper und sie bemerkte den Zusammenhang, war sich aber nicht bewusst wieso. Das Gefühl war positiv und das genügte. Wie jeder Fetischist, der in diese Lage kam, war es ihr nicht klar, dass es auch andere Menschen gab, welche die gleichen Wünsche und Empfindungen hatten. Sie glaubte, dass nur sie allein diese Neigung hätte und behütete sie wie ein Geheimnis, ihr Geheimnis.

Mit den Jahren wurden die Phantasien wilder und nachdem sie einen Taucherfilm gesehen hatte, in dem die Taucher die alten glatten Neoprenanzüge trugen war ihr klar was sie wollte, sie wollte eine Umhüllung ganz aus Gummi. Ihr Faible für Taucher wuchs und gleichzeitig auch der Wunsch sich in dieser Situation zu befinden. Gleichzeitig war sie frustriert, weil sie keine Möglichkeit sah zu solch einem Anzug zu kommen, denn er sollte aus Gummi sein und nicht aus Neopren. Sie phantasierte in ihren Träumen die verrücktesten Sachen, oftmals ausgelöst durch Science-Fiction-Filme in denen die Akteure glänzende Anzüge trugen.

Dann passierte das unglaubliche. Sie sah ein Inserat in einer Zeitung in dem Gummi- und Lederanzüge angeboten wurden. Sie bestellte sich Kataloge und die Sache entwickelte sich weiter. Die wichtigste Erfahrung war nun jedoch, dass sie nicht allein war, dass es auch andere Menschen gab die es völlig normal fanden sich in Gummianzüge zu zwängen um mit ihrem Partner ins Bett zu gehen. Die leichte Psychose die sie wegen ihres Faibles hatte war schlagartig weg. Später versuchte sie dann sich darüber klar zu werden, wie es zu allem gekommen war, denn eine nachvollziehbare Lösung wurde nicht angeboten.

Je intensiver sie sich damit beschäftigte, desto mehr aus der kindlichen Vergangenheit fiel ihr ein. Unter anderem eine Situation die sie als Schlüsselerlebnis ausmachte.

Zu Besuch bei ihrer Tante auf dem Land spielte sie an einem regnerischen Tag mit Ihren Cousins und Cousine in dem Haus verstecken. Sie schlich durch den Flur, ein Cousin war derjenige welcher die anderen suchen musste. Als sie ihn auf der Treppe hörte schlüpfte sie schnell in eine Kammer unter der Treppe. Sie bekam die Tür gerade noch zu, bevor er sie sehen konnte. Den Atem anhaltend stand sie in der dunklen Kammer. Ihr Cousin stand draußen im Flur, sie wagte sich nicht zu regen. Als sie wieder Luft holen musste, vernahm sie einen eigentümlichen Geruch, etwas kaltes hing hinter ihr, sie griff danach und spürte das Gummi eines alten Kleppermantels, vor ihr an der Tür der Kammer hing. Eine große Waschschürze auch aus Gummi und auf dem Boden standen Gummistiefel. Sie schauderte und wäre am liebsten wieder aus dem Schrank gesprungen, aber dann wäre sie ihrem Cousin in die Arme gelaufen und sie wollte nicht die Suchende spielen. Also hielt sie es in der Kammer aus. Die stickige Luft und der starke Geruch von Gummi machten es ihr schier unerträglich. Sie fing an zu schwitzen, vor Furcht und doch gleichzeitig vor Erregung, denn an diesem Platz schien sie sicher vor ihrem Cousin. Sie hielt durch und wurde nicht entdeckt, als schon alle anderen gefunden waren. Aus dem negativen Gefühl, das die Kammer mit ihren Gegenständen verursacht hatte war ein Glücksgefühl geworden, das der Siegerin. Sie versuchten heraus zu bekommen, wo Sie sich versteckt hatte, aber sie sagte es niemand und machte während des Urlaubs noch öfter von dem Versteck Gebrauch und war ebenso oft die Gewinnerin. Nachdem Sie die Angst vor dem Gummizeug überwunden hatte, gewöhnte sie sich daran und genoss es sogar, da ihr der Raum den perfekten Schutz vor dem Auffinden bot. Einmal sogar war sie dem Auffinden entgangen, indem sie in die viel zu großen Gummistiefel geschlüpft war und ihren Körper unter dem langen Kleppermantel verborgen hatte, was sie jedoch bald in Atemnot brachte. Gerade als sie wieder heraus schlüpfen wollte, öffnete sich die Tür. Sie hielt den Atem an, war starr vor Schreck und rührte sich nicht.  Wo steckt die bloß? hörte sie ihren Cousin sagen. Sie spürte wie der Schweiß über ihr Gesicht rann. Als er die Tür wieder geschlossen hatte, presste sie ihren angehaltenen Atem heraus und versuchte frische Luft anzusaugen, sie bekam zwar ein paar Quäntchen, aber dann saugte sich der Kleppermantel um ihr Gesicht. Voller Panik versuchte sie aus der Gummihülle zu kommen, was ihr jedoch nur mit Mühe gelang. Sie glaubte schon ersticken zu müssen, bis es ihr endlich gelang. Diese Panik erschien später in ihren Träumen und sie bewältigte sie, ja fand sogar etwas erregendes daran. Die Neugier ließ sie dann doch wieder dieses Versteck aufsuchen.

Die Urlaube bei der Tante waren über lange Zeit hinweg die schönsten Tage des Jahres. Mit ihren 3 kleinen Verwandten war der ganze Tag ein einziges Spiel und es war nie langweilig. Als sie ca. 12 Jahre alt war, die Zeit des Versteckspielens war schon lange vorbei, sah sie bei einem Besuch wieder in die Kammer und war richtig enttäuscht, dass darin aufgeräumt worden war und die Gummisachen Lebensmitteln hatten weichen müssen. Sie ertappte sich, wie sie immer, wenn sie in das Haus ihrer Tante kam, nach den Sachen suchte sie aber nicht mehr fand. Wieso sie diesen Wunsch hatte wusste sie aber nicht.

Mit 25 trug sie mit Vorliebe einen Totalanzug mit Haube und Handschuhen, einige Jahre vorher hatte sich auch noch ein Faible für Gasmasken und andere Hauben entwickelt, die sie bis auf einen Atemschlauch von der Umwelt abschlossen.  

Lange hatte sie sich gefragt wie es zu dieser auch für sie etwas absonderlichen Neigung gekommen war, aber bei ihrem Nachdenken über die Kindheitserfahrungen war sie auf eine mögliche Ursache gestoßen: Die Taucher. Taucher tragen Masken, Taucher tragen Schnorchel in ihrem Mund und atmen über einen Luftschlauch. Sie sind vollkommen autonom solange Luft in ihren Flaschen ist und haben je nach Art des Anzuges keinerlei Verbindung zur Außenwelt. Hier waren alle Elemente vorhanden die sie nun mit Gasmasken oder anderen Hauben und ihrem Ganzanzug umsetzte.

An eine Szene in einer Fernsehserie die in den sechziger Jahren lief erinnerte sie sich noch. Einer der Taucher hatte einen Unfall gehabt und wurde dann in eine Dekompressionstonne eingeschlossen. Klein wie ihr Schiff, war auch diese Tonne, es war gerade genug Platz in dem Metallding für einen Mann. Es hatte sie damals erschreckt, und um nichts in der Welt hätte sie sich vorstellen können mit ihm zu tauschen, aber später kam er erholt und wieder in Ordnung aus dem Ding heraus. Schon früher hatte sie die Erinnerung an diese Szene gleichzeitig erschreckt und erregt. Heute erregte es sie nur noch, wenn ihr auch ein Schauer über den Rücken lief, aber irgendwie war der Wunsch da, auch dies umzusetzen.

Gierig ging sie jeder neuen Erfahrung nach und versuchte sich daran.

Es gibt viele Theorien, und eine stirbt nicht aus. "Zurück zum Mutterleib", war schon oft die Überschrift über einschlägigen Artikeln. Sicher es wird etwas daran sein, dachte sie aber andererseits glaube sie, dass dieser Wunsch ich in jedem Mensch tief verwurzelt ist, zumindest im Unbewussten. Dies jedoch als Pauschalaussage gerade für Gummiliebhaber zu  machen hielt sie für übertrieben. Manches spricht für sich, die vollkommene  Umhüllung, der Nabelschlauch als einzige Verbindung nach außen, die absolute Geborgenheit, aber es wäre zu klären inwiefern ein Fötus in der Lage ist, derart konkrete Erfahrungen wahrzunehmen. Es wäre eine Erklärung aber mit Sicherheit nicht die einzige.

Sylvie legte ihr Tagebuch aus der Hand. Jahre waren vergangen seid diesem Eintrag. Sie schaute auf die Uhr. 20.15. Na der kann was erleben, sagte sie zu sich selbst und erhob sich. Eine Stunde hatte er schon überzogen. Macht genau vier Einheiten und die nächste Einheit kommt jetzt hinzu.

Sie ging in ihr Spielzimmer und öffnete den Schrank. Auf dem mit glänzendem schwarzen Lackmaterial bedeckten Bett lag die Überraschung. Sie war heute mit der Post gekommen. Sylvie räumte sie jedoch weg. Er sollte erst noch ein paar andere Lektionen erfahren. Die Utensilien richtete sie in die dafür vorgesehene frei Schublade.

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Langsam wird es unangenehm. Anscheinend habe ich doch etwas übertrieben. Meine Hände schlafen ein und die Kiefermuskeln schmerzen. Hoffentlich ist ihr nichts dazwischen gekommen. Oh Gott bin ich blöd, wie viele Tage würde es dauern bis sie mich finden?

Sind das ihre Schritte im Treppenhaus? Ah, das Türschloss - endlich. Was kommt in den nächsten Minuten? Ihre Absätze klackern über die Holzdielen im Flur, jetzt legt sie den Schlüsselbund ab und hängt den Mantel an die Garderobe.

„Sabine !?“

Sieht sie den Brief auf dem Boden nicht? Wieso dauert das so lang? Jetzt geht sie ins Wohnzimmer.

„Ach du meine Güte!“

Kommt sie jetzt so wie sie ist ins Schlafzimmer oder hält sie sich an meinen Wunsch?

Reißverschlüsse, - sie hält sich daran. Ich könnte platzen vor Spannung. Wenn ich nur sehen könnte wie sie sich anzieht. Das waren die Stiefel, der Gürtel?

Sie kommt. Das Licht geht an, warum habe ich nur diese Augenbinde umgelegt. Ich kann sie nicht sehen.

„Mein lieber Schwan, habe ich doch recht gehabt, aber so?“

Ich brumme etwas in meinen Knebel. Aber sie wird es nicht verstehen können.

„Glaube bloß nicht, dass ich es nicht geahnt habe.“

Was soll ich sagen, was meint sie damit? Sie kommt näher. Sie setzt sich auf das Bett. Das Leder reibt aneinander. Ihre Hand streichelt mich. Hat sie es verstanden?

„Fühlst du dich wohl so?“

Gott was für eine Frage. Wie lange habe ich davon geträumt und nun ist es wahr geworden, hoffentlich verliere ich sie nicht. Macht sie es an was sie sieht? Gefalle ich ihr so hilflos?

Sie streichelt meinen Busen. Ich bin so scharf!

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